Sternenkinderfriedhof

15 Jahre Garten der Kinder in Schleswig

„Als wir hier 2005 mit 40 Plätzen angefangen haben, dachten wir, das reicht für die nächsten zehn Jahre. Aber da haben wir uns ganz schön vertan“, sagt Elke Heinen. Die Nachfrage sei vielmehr so groß gewesen, dass man schon zwei Jahre später, so die Trauerbegleiterin des Vereins Verwaister Eltern, an die Kapazitätsgrenze gestoßen ist. Jetzt wurde der „Garten der Kinder“ auf dem Friedrichsberger Friedhof sogar bereits zum zweiten Mal erweitert. Rund 250 „Sternenkinder“ – also Kinder, die vor der Geburt verstorben sind – wurden auf dem Gräberfeld inzwischen bestattet. Etwa die Hälfte davon einzeln, die anderen im Rahmen von sogenannten Gemeinschaftsbeisetzungen. Viele der Kinder hatten bereits Namen, die auf kleinen Grabsteinen verewigt wurden. Auf anderen Gedenkplatten ist allein das Todesdatum vermerkt. „Unser ,Garten der Kinder‘ ist zu einem echten Vorzeigeprojekt im Land geworden“, sagt Elke Heinen. 2005 war er einer der ersten seiner Art in Schleswig-Holstein. „In den vergangenen Jahren sind sehr viele Friedhofsbeauftragte hierher gekommen, um zu sehen, wie wir das machen.“ Im Zentrum der kleinen Anlage, die von vier Kirschbäumen eingerahmt wird, steht eine Stele, auf der eine große Laterne thront. Diese wurde nun dank einer Spende des Schleswiger Ladies’s-Circle-Clubs renoviert. Zudem konnten von dem Geld zwei neue Sitzbänke angeschafft werden. Sie dienen nicht nur den Familien, die hier ihre Kinder bestatten ließen, als Ort zum Verweilen, „sondern manchmal kommen auch ältere Menschen, die vor Jahrzehnten während der Schwangerschaft ein Kind verloren haben, als es die Möglichkeit der Bestattung noch nicht gab“, erzählt Heinen. „Diese Leute sagen uns dann, dass sie hier endlich einen Ort der Trauer gefunden haben.“

Tatsächlich endet fast jede dritte Schwangerschaft vorzeitig oder mit einer Totgeburt. Entsprechend groß sei des Interesse an dem Thema, berichtet Nicole Labs, Mitarbeiterin des Vereins, der inzwischen als Landesverband fungiert und von Schleswig aus die Betreuung von betroffenen Familien in ganz Schleswig-Holstein koordiniert. „Zurzeit erstellen wir eine Liste mit allen Friedhöfen im ganzen Land, auf denen Sternenkinder beerdigt werden können“, erzählt Labs. Über 40 Adressen habe man schon zusammengetragen, diese sollen demnächst – samt interaktiver Landkarte – auf der neuen Webseite „Sternenkinderfriedhof“ veröffentlicht werden.

Kooperation mit Krankenhaus und Werkstätten

In Schleswig wurde das Projekt damals durch eine Kooperation von Verein, dem Friedhofsverband, dem evangelischen Kirchenkreis und dem damaligen Martin-Luther-Krankenhaus realisiert. Inzwischen arbeiten die Verwaisten Eltern mit dem Helios-Klinikum zusammen. Die Beisetzungen übernimmt dann in der Regel auch Krankenhausseelsorgerin Mareile Rösner. Auch die Schleswiger Werkstätten sind mit im Boot. Sie produzieren einerseits die sogenannten „Minisärge“, in denen die „Sternenkinder“ bestattet werden. Andererseits sind sie – neben einigen ehrenamtlichen Helfern – auch für die Pflege des „Gartens der Kinder“ zuständig.

– Quelle: shz.de/Windmann

Ergänzung des Vereins: Unterstützt wird dieses Projekt vom Bestattungshaus Jürgensen.