Weltgedenktag für verstorbene Kinder
 Während des Gottesdienstes entzündete Kerzen
„Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.“ (Ps 126,5-6)
Diese Lichter brennen für die verstorbenen Kinder, und sie brennen für die Eltern, Großeltern und Geschwister, in deren Leben die Kinder bleibend ihre Spuren hinterlassen haben. Gerade die Zeit vor Weihnachten ist für viele eine besonders schwere Zeit, weil die adventliche Stimmung so schmerzlich daran erinnert, dass zum ersten oder wiederholten Mal ein Weihnachtsfest kommt, das ohne das verlorene Kind stattfindet. Für manche ist darum der Gottesdienst wie das Weihnachtsfest für ihre verstorbenen Kinder geworden. Die verstorbenen Kinder werden genannt und eine Kerze für sie angezündet, und ihre Namen werden in das „Buch des Lebens“ geschrieben. Zum neunten Mal haben die Verwaisten Eltern Schleswig-Holstein inzwischen zu dem Gottesdienst am Weltgedenktag für die verstorbenen nach Schleswig in die Dreifaltigkeitskirche eingeladen.

Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter mit Elke Heinen, Leiterin der Gruppen der verwaisten Eltern In diesem Jahr ist Alt-Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter Schirmherrin für den Verein der Verwaisten Eltern Schleswig-Holstein geworden und hielt die Predigt. Man sieht es ja niemandem von außen an, aber man spürt sofort, dass man verstanden wird. Die Bischöfin steht selbst da als eine Mutter, die 2 Kinder verloren hat. Es sind schon fast 40 Jahre vergangen, aber es ist immer noch deutlich, dass es viel in ihrem Leben einschneidend verändert hat. „Die mit Tränen säen…“, waren ihre Worte überschrieben. Und sie versuchte Mut zu machen, dass die Tränen der Eltern über den Verlust ihrer Kinder nicht umsonst geweint werden. Wir können die Tränen nicht selbst verwandeln, wir können uns offen halten für das zu dem sie werden können – wie wenn wir die Erde lockern, in die wir die Tränen wie einen Samen legen. Betroffene Eltern geben sich gegenseitig Halt und Unterstützung, und auch die Kirche möchte bei den Menschen sein, und mit ihnen ihre Trauer tragen. Als Versinnbildlichung des Psalmwortes „Sammle meine Tränen in deinen Krug!“ (Psalm 56) gossen einige Eltern mit ihren eigenen Worten ihre „Tränen“ stellvertretend für alle verwaisten Eltern in ein großes vor dem Altar aufgestelltes Gefäß. Besonders anrührend und darin zugleich unterstützend war die musikalische Begleitung durch die Jugendkantorei vom Schleswiger Dom. Der Gesang der jungen Stimmen war wie die Hoffnung auf das Leben in den Tränen der Erinnerung. Am Abend des zweiten Sonntags im Dezember werden jedes Jahr um 19 Uhr in der ganzen Welt Kerzen für die verstorbenen Kinder entzündet. Wir selber sehen ja nur die Kerzen, die in unserer Nähe sind, vielleicht nur die eigene, aber die Kinder, so beschreibt Elke Heinen, Leiterin der Gruppen der verwaisten Eltern, die Bedeutung dieser weltweit verbindenden Aktion, haben einen anderen Blickwinkel und können vielleicht die ganze Kette, wie sie die Erde umspannt, wahrnehmen. So etwas in einem Gottesdienst und in der Gemeinschaft an den vielen Gruppenabenden der verwaisten Eltern wahrzunehmen, kann Hoffnung machen, und auf jeden Fall drückt es das verbindende Gefühl aus: die Trauer ist da, aber auch die Kinder sind da, sie begleiten die Eltern und die Familien, und es tut gut, das mit anderen Eltern zusammen empfinden zu dürfen, die einen dafür nicht für verrückt halten.
Mit freundlicher Genehmigung von M. Baltzer, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im KK SL-FL
Predigt von Alt-Bischöfin Wartenberg-Potter
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