Himmelsbäume

Es ist der letzte Samstag im April, der Tag des Baumes – dieses Jahr ist es die Ulme – als sich morgens am Fährhafen Dagebüll 40 – 50 Menschen auf die Fähre nach Wyk auf Föhr einschiffen, um sich gemeinsam auf den Weg zu den Himmelsbäumen zu machen. Es sind Familien, die ein Kind verloren haben und Ehrenamtliche des Vereins „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig – Holstein „ die diese Familien begleiten. Sie alle haben sich auf den Weg gemacht um im Gedenken an ihre Kinder und Geschwister einen Baum in den Stadtwald von Wyk zu pflanzen oder einen bereits in den Vorjahren gepflanzten Baum zu besuchen. Über 80 Bäume sind dort seit 2015 gepflanzt worden – 12 neue kommen an diesem Tag dazu.Jeder dieser Bäume ist sorgfältig ausgesucht, bei der Gemeinde bestellt oder sogar selbst gezogen und mitgebracht worden. Nussbäumchen sind dabei, blühende Kirschen und Zieräpfel, Rosskastanien und Hainbuchen – es ist ein Wald von grosser Vielfalt. Wir pflanzen ganz bewusst an diesem Frühlingstag, wenn aus der Winterstarre neues Leben erblüht. Himmelsgärtner nennen wir uns und begeben uns jedes Jahr auf diese Reise zu unserem Kind – über das Meer , den Südstrand entlang , immer die Halligen im Blick und am Spielplatz „Löwenhöhle“ vorbei zu der kleinen Lichtung im Stadtwald – wo der Schmetterlingsdalben steht. Rita Becker stimmt uns auf diesem Weg auf das gemeinsame Pflanzen der Bäume ein, in dem sie uns immer wieder zusammenkommen lässt und uns die Geschichte der Himmelsbäume erzählt. Gespräche entwickeln sich zwischen den Menschen, während wir am Südstrand entlang schreiten. Manche von uns schweigen auch, andere tragen gemeinsam ein mitgebrachtes Bäumchen. Zwei Gärtner des Grün Bau Amtes erwarten uns bereits, die bestellten Bäumchen liegen vor den ausgehobenen Pflanzenlöchern, damit die Familien sie nach der Andacht selbst einpflanzen und mit einem Holzschmetterling schmücken können. Das Thema unserer kleinen Andacht ist diesmal „Der Weg – sich auf den Weg machen“. Die Sängerin Aleksandra Wolska singt zwei wunderschöne Lieder zu diesem Thema , wir rufen den Namen unserer Kinder, lauschen einem vorgetragenen Text, schweigen, lauschen dem neuentstehenden Wald und seinen Geräuschen, sind unseren Kindern ganz nah. Am Ende der Andacht singen wir wie jedes Jahr „Möge die Strasse uns zusammenführen“ – mögen wir uns nächstes Jahr alle wieder in unserem Himmelswald wiedersehen. Als alle Bäume gepflanzt und besucht worden sind gehen die Meisten von uns auf eine kleine Stärkung und zum Ausklang in das „Pfannkuchenhaus“ . Der Tag war schön, aber emotional sehr bewegend – Verabredungen fürs nächste Jahr werden getroffen, Adressen ausgetauscht. Chrissi Rullmann und Kybele Engel stimmen auf das Thema des nächsten Pflanztermins am Samstag , den 25.4.20 ein : „Wurzeln“ – oder was mir Halt gibt“ Über Beiträge dazu und neue Himmelsgärtner würden wir uns sehr freuen.