Botschafter

Der Santiano-Gitarrist unterstützt Verein „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Schleswig-Holstein“.

SCHLESWIG | „Wir sind bei dir, übergeben dich der See, sie nimmt dich auf und begleitet deinen Weg“ – so beginnt der Song „Die letzte Fahrt“ von Santiano. Die Musiker thematisieren darin den Tod, nehmen Abschied von einem geliebten Menschen. Wie es ist, ein Kind oder Geschwisterkind zu verlieren, das wissen die Trauerbegleiter des Vereins „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein“ sehr gut. Sie geben Betroffenen Halt, sprechen mit ihnen oder hören einfach nur zu. Auch Santiano-Gitarrist Hans-Timm Hinrichsen, auch „Timsen“ genannt, hat in seinem Berufsleben als Heilpädagoge in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig viele junge Menschen betreut, die Hilfe brauchten. Deshalb musste er auch nicht lange überlegen, als der Verein auf ihn zugekommen ist und ihn zum Botschafter machen wollte. Seit gestern hat er dieses Amt nun offiziell inne.
Verein wollte bodenständigen Botschafter
„Ich habe mich sofort gut aufgehoben gefühlt“, erzählt Hinrichsen begeistert vom ersten Treffen mit dem Vorstand. Vorsitzender Gerd Rullmann ergänzt: „Wir wollten einen Botschafter, der bodenständig ist, in Schleswig-Holstein verankert ist und eigene Erfahrungen mitbringt.“ Da sei die Wahl schnell auf den 53-jährigen Gitarristen von Santiano gefallen.
Erfahrung bringt der neue Botschafter reichlich mit. Über 20 Jahre hat er Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren im Alltag unterstützt, sie durch den Tag begleitet. Viele von ihnen hatten Depressionen. „Privat belastet haben mich die Fälle meistens nicht“, sagt er. Doch ein bis zweimal im Jahr habe er es mit Schicksalen zu tun gehabt, die ihn auch nach Feierabend nicht losgelassen haben. „Ich kann mich deshalb gut in die Arbeit des Vereins hineinversetzen und weiß, dass die Trauerbegleiter einen großen emotionalen Aufwand betreiben“, erklärt er. Und das wolle er unterstützen.
Verschiedene Angebote für Trauernde
Der Verein „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein“, der seinen Sitz in der Friedrichstraße in Schleswig hat, bietet Betroffenen verschiedene Möglichkeiten, um mit ihrer Trauer umzugehen und den Verlust des Kindes oder des Geschwisterkindes zu verarbeiten. Neben den regelmäßigen Trauergruppen gibt es Wanderungen, eine Paddeltour auf der Treene oder Holz- und Töpfer-Workshops. Außerdem können Familien Himmelsbäume auf der Insel Föhr pflanzen und damit etwa an einen gemeinsamen Urlaub erinnern.
In Zukunft möchte auch „Timsen“ dabei helfen, den Verein und die Projekte in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen. Genaue Pläne gebe es aber noch nicht. „Wir sind noch in der Anfangsphase und warten erst einmal ab, wie sich alles entwickelt“, erläutert Gerd Rullmann.
Autor: Tina Ludwig sh:z